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Nepal Thamel

 

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Da war ich nun, in Nepal!

Ohne jegliche Ahnung, was hier abgeht. Ok, es ist ein armes Land, aber mehr wusste ich auch nicht.

Normalerweise versuche ich ein Land grob abzuchecken, bevor ich einreise.

Welche Gegebenheiten sind vor Ort, auf was muss ich achten etc. …

Diesmal ging das leider nicht. (Siehe Update 2)

Nun gut. Der Plan war, das W-LAN am Flughafen in Nepal zu nutzen, um an oben genannte Informationen zu gelangen.

Als ich den Flughafen jedoch sah, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Gedanken streichen kann. Wenn überhaupt findet man dort ein Telefon.

Ok, Nepal ist nun mal ein armes Land.

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Ab durch den Check in und sofort das volle Programm in Anspruch genommen – Visum 90 Tage! Wenn schon -denn schon, dachte ich mir. Zack, waren 80 Euro weg! Jetzt noch 50 Euro in nepalesische Rupie (NPR) getauscht und weiter ging es.

So, was mache ich nun?

Der Anblick hat sich stark verändert. Von „In weiß gehüllte Männer mit Ferraris und Lamborghinis“, in schmutzige Menschen mit ärmlichem Aussehen und Schrottautos.

( siehe Artikel Dubai )

Schon o.k., man kann schliesslich diese zwei Länder nicht miteinander vergleichen.

Jeder quatschte mich an mit, „Taxi.. Sir… Taxi!?“

Das soll ein Taxi sein?

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Ok, ich überlegte meinen nächsten Schritt. Die Eindrücke waren enorm. Das Einzige woran ich mich noch erinnern konnte, war der Touristenort…. Thamel!

Da werde ich bestimmt für 1-2 Tage einen Unterschlupf finden.

Die Hostels haben angeblich alle „free W-LAN“. Somit kann ich mich dann mit meinem Notebook einbuchen und eine neue Unterkunft suchen, so mein Plan…

Also rein in das „Taxi“ und dem Fahrer mitgeteilt, dass er mich zu einem „Hostel“ in Thamel bringen sollte. Ich hatte Glück, dass das Bodenblech noch ganz war und man die Straße nicht sehen konnte.

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Wichtig !! Vorher immer den Preis ausmachen, schoss es mir durch den Kopf. Das tat ich dann auch. 2000 NPR wollte der Taxifahrer haben.

2000 !!! Das ist ja echt viel!!! Ich sagte dann glatt 100 …cool…ich handelte gerade…

Seine Kinnlade viel dann auch sogleich runter. Er sah sehr geschockt aus.

Dann analysierte ich, wo der Fehler war. Er lag wohl bei mir! 😉

Die typische deutsche Denkweise hatte mir einen Streich gespielt. 2000 NPR unglaublich…

Mit meinem Angebot von 100 NPR hatte ich ihm gerade mal 0,70 Cent geboten ….grins…

Also einigten wir uns dann auf 1000. Also 7 Euro …räusper…..

Dieser „Gedankenfehler“ passierte mir später noch häufiger, oje.

In Thamel angekommen fuhr, er mich dann auch zu einem Hostel. Mir war bekannt, dass die Fahrer eine Provision vom Hotel bekommen, wenn sie einen Gast abliefern.

Das war für mich auch ok. Wie sagt man so schön: „Leben und leben lassen“.

Rein in das Hostel oder was auch immer „Das“ war. Abgecheckt, ob es Wlan gibt, und mir das Zimmer zeigen lassen.

Entschuldigt den Ausdruck, doch „Drecksloch“ ist noch milde ausgedrückt.

Mir kam wiederholt der Gedanke: „Ok, armes Land“. So ist das hier nun mal. Dafür war der Typ an der Rezeption sehr nett.

700 NPR ( etwa 5 Euro )pro Nacht wollte er haben. Rückblickend war es das bei weitem nicht wert!

Aber Achim lernt ja noch;-)

Rucksack abgelegt und mit dem Handy nach dem W-LAN gesucht. Das PW sollte Dreamboy lauten. (Ohne weiteren Kommentar ….grins)

Nichts ging! Falsches PW bekommen? Die Alarmglocken gingen an. Hat der mich verarscht? Ab nach unten zur „Rezeption“.

Rezeption. Das war ein dunkler Raum in dem 4 fragwürdige Gestallten saßen. Solche Typen denen man nachts nicht unbedingt begegnen muss.

Hinter der Theke wieder der „nette Typ“.

Als ich nach dem W-LAN fragte, wurde mir gesagt, dass es eine Störung gibt, die ganz Thamel betrifft.

Jetzt fand ich es nicht mehr lustig.

Die behaupten, dass es W-LAN gibt. Und wenn man dann eingecheckt hat, ist es plötzlich „defekt“.Ist schon klar;-)

Die Störung sollte 2 Tage dauern?!

Das erschien mir dubios und gefiel mir gar nicht. Das brachte ich auch ein wenig verärgert zum Ausdruck.Einer der Typen stand auf und mischte sich in das Gespräch ein. Es schien der Inhaber zu sein.

Ich erklärte ihm, dass ich meinen Rucksack aus dem Zimmer holen werde, den Schlüssel abgebe und gehe. Ohne zu bezahlen!!!

Das tat ich dann auch! Ich war froh, als ich da raus war.

Der Taxifahre, der immer noch dabei stand, quatschte mich zu und wollte mir ein neues Hostel zeigen.

Er war ja schließlich der Verursacher der Situation. Auf den Typen hatte ich nun echt keinen Bock mehr!!!

So etwas braucht man, nach einer solch beschissenen Nacht, wirklich nicht. Alles, was ich wollte, war eine saubere Unterkunft.

Ich machte mich zu Fuss auf die Suche.

Ich war einfach nur fertig, von dem Flug und dem mangelnden Schlaf. (siehe Update 2).

Für 2000 NPR (etwa 14 Euro) fand ich dann für eine Nacht etwas Neues. Es war nicht gerade das Gelbe vom Ei, doch das war mir jetzt egal. Ich brauchte einfach nur einen Rückzugsort, um wieder runter zu kommen.




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Das ich in dem neuen Hotel in den 6. Stock hoch laufen musste, nahm ich mit letzter Gelassenheit auf mich. Ganz zu schweigen von den Armeisen vor meinem Bett…

Direkt neben der Toilette ohne Abtrennung, ging ich duschen. Eigentlich hätte ich auch auf der Toilette sitzend duschen können, denn es war alles alles „eins“.


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Jetzt nur noch ab ins Bett, dachte ich. Doch dann beim Hinlegen fast das Steißbein gebrochen. Da habe ich ja im Rothaargebirge auf dem Waldboden noch weicher geschlafen!

Unter die Lacken zu schauen, warum es so hart war, habe ich mir dann mal geklemmt…

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Aber eins war mir klar. Es war ein Brett „gepolstert“ mit einer Decke. Darüber wurde dann ein Bettlaken gespannt.

Egal! Licht aus und schlafen. Dabei mein einziger Gedanke: „Morgen folgt ein neuer Tag und alles wird besser“.

Komisch – das Licht war aus, aber ohne, dass ich es aus gemacht hatte.

Stromausfall? Das soll hier gang und gebe sein …. erinnerte ich mich.

Alles egal, einfach nur noch schlafen. Mein Kopf dröhnte und klingelte beim Sandmann an.

Bevor das Sandmännchen dann auch endlich seinen Job machen konnte, bemerkte ich noch, das permanent etwas über meinem Körper lief.

Waren es die Schweißtropfen in der warmen Bude oder etwas anderes?

Es tat nicht weh und somit war es mir egal. Ab in´s Land der Träume……

Am nächsten Tag suchte ich mir erneut eine Bleibe, die im Vergleich super ist. Sauber, mit einem reichhaltigen Frühstück u. einem schönem Zimmer. Dort habe ich mich erst einmal wieder aufgepeppelt, grins.

Hier mein erster Eindruck:

Zunächst ist mir aufgefallen, dass ein hektischer Verkehr herrscht. Man hat das Gefühl, das sie einen umfahren, wenn man nicht aufpasst. Auf Fußgänger nimmt hier keiner Rücksicht. Einmal Hupen, fertig ist die Warnung! Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn man nicht schnell genug Platz macht. Der durch den Verkehr aufgewirbelte Dreck, mit einem Duft von Benzin und Diesel, zieht durch die Luft. Ohne Mundschutz schmerzt die Lunge schon nach 30 Minuten beim Atmen.

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Der Anblick von im Dreck schlafenden Menschen schockiert. Die Meisten von uns würden wahrscheinlich dort nicht einmal einen Hund hinlegen wollen.

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Leute, ganz ehrlich!!!

Aus den zahlreichen Berichten im TV kennt man diese Situationen ja bereits. Viele denken:“Schlimm, dass es so etwas auf der Welt gibt…zumindest ist es bei mir so. Doch dann haben wir ja die Möglichkeit, z.B. in die Küche zu gehen, um uns etwas Leckeres zu gönnen, oder wir schalten einfach um.

Doch hier, wenn 50 cm neben Dir diese Menschen im DRECK liegen – in voller Realität, in Farbe mit diesem beissenden Geruch – so spürt man, das hier ist real und nicht so clean, wie Zuhause vor dem Fernseher. Es hat mich umgehauen, ich konnte nicht begreifen was hier abgeht. Ich roch und sah das Elend nicht nur, ich fühlte es sogar. Mein Gehirn schaltete wohl in eine Art „Standbye“ um nicht durchzudrehen.

Das war das erste Mal, dass ich einen Schock hatte. Schweißausbruch und leichte Übelkeit überkamen mich. Egal, was ich dafür auf mich nehmen musste, ich wollte nur noch aus dieser Situation raus!

Als mein Hirn so langsam wieder anfing auf On zu gehen, schossen mir tatsächlich erste Gedanken des Aufgebens durch den Kopf. „ Warum tue ich mir den Scheiß hier überhaupt an?

Ich könnte es doch so gut haben, wenn ich nur wollte. Eine Antwort darauf bekam ich nicht.

Als ich dann im Hostel war, musste ich erst einmal mit Freunden skypen und mit meiner Freundin reden.

Reden, reden einfach nur reden. Mensch, das tat so gut.

Danach dachte ich dann noch einmal darüber nach, was da in mir abging.

Ich hatte so etwas bis dato noch nie zuvor erlebt. Das was im TV läuft kann man in keinster Weise mit der Realität vergleichen.

Dieses Gefühl der Ohnmacht kannte ich in mir noch nicht. Und ganz ehrlich, das versetzte mich in Panik.

Es veränderte mich sehr.

Gestern war ich bei den Kleinen und gab ihnen etwas Geld …Wohl wissend, dass das die Probleme hier nicht löst. Aber die strahlenden Gesichter machen wieder Mut.

I see you …….Achim

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Kommentare (9) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Achim!
    Du hast einen super Bericht geschrieben man kann an Deiner Reise richtig teilhaben.
    So ist das wenn man fremde Kulturen und Länder besucht.
    Ich war auch schon viel in der Welt rumgekommen aber noch nie in Nepal.-
    Du wirst bestimmt noch viele nette Menschen kennenlernen und nicht nur solche die die Dollarzeichen schon in den Augen haben.
    Versuche doch mal Kontakt zu einem Buddhistischen Kloster auf zu nehmen, dort begegnest Du einer ganz andern Welt in Nepal und bekommst sicher eine super Info.
    Wünsche eine gute Zeit und viel Glück!!!!!!!!!!!!!
    Bis zur nächsten Berichterstattung
    Brigitte und Volker

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  2. Das scheint wohl der Kulturschock zu sein ! Danke , Super Bericht , realitätsnah mit viel Gefühl, halte durch, bin gespannt wie es weiter geht. Gruß !

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  3. Hab gerade Deinen Bericht gelesen .Ja Du hast recht . wenn wir das zu Hause sehen dann bis zu einer gewissen Grenze. wir sagen dann wohl hundert mal — Mein Gott das ist ja furchtbar—
    aber dann schalten wir um weil man nicht mehr hin sehen kann.
    Ich glaube Du siehst jetzt vieles was
    Gr. Ingrid wir einfach nicht begreifen können. Aber durch Deine super Informationen und Bilder dazu bekommt man von der Wirklichkeit etwas mit.
    Halt den Kopf hoch und Pass auf Dich auf.

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  4. Hallo Achim,

    so ist das mit dem Reisen, du bekommst eine andere Sichweise auf die Ding! Jedoch muss ich dir sagen, dass es mit „einfach etwas Geld geben an die Kinder“ nicht getan ist! Es ist sogar eher schädlich, da sie dann denken – wow der Europäer gibt mir Geld für nichts! Das hört sich vielleicht har an, aber mit der Realität musst du Leben! Ich kaufe NIE etwas von Kindern, da das kontraproduktiv ist! Eltern schicken die kinder nicht n die Schule, sondern auf die Starße zum betteln!
    Selbst in Afrika habe ich mitbekommen, dass die Kinder meine Kulis abgenommen bekommen haben, damit diese dann verkauft werden konnten!
    Achim, du wirst noch viel Leid sehen und du musst wissen, dass du da nichts ändern kannst! Bin selber mal in Afrika (Malawi) durch ein kleines Dorf gelauf , die Oma lag da im Sterben im Dreck und der Sohn wollte Geld von mir haben „für Medikamente“, jedoch gab es im Umkreis von 200km keine Apotheke und er war besoffen! Er hätte mein Geld nur versoffen und die Oma auch nur liegen gelassen!
    Also, du musst damit umgehen und das schnell lernen! Achte auch darauf, dass du nicht zu schnell zu viel zahlst, es ist zwar für uns „Europäer“ nicht viel Geld, aber es ist nicht gut, wenn du dann das 40fache zahlst!

    Viel spaß in Thailand
    Grüße Jens

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    • Hi Jens,
      ich bin ja noch am lernen und es wird immer besser 🙂 Das mit Afrika hört sich „hart“ an und gehört zum „LEBEN“ dazu.
      Es wird noch vieles geben, was mich erschrecken wird.

      Gruß
      Achim

      Antworten

  5. Hallo Achim du Weltenbummler.
    na wie sieht es bei dir aus alles im lack? so hast du dir dein Nepal von dem du mir immer erzählt hast nicht vorgestellt ne. hoffe dir geht’s gut und das du klar kommst in der weiten Welt.
    ciao bis dann

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    • Hi Claudio,
      so habe ich es mir echt nicht vorgestellt. Aber deswegen bin ich ja „unterwegs“ 🙂

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  6. Achim,
    ich zitiere dich jetzt mal:
    „Warum tue ich mir den Scheiß hier überhaupt an?
    Ich könnte es doch so gut haben, wenn ich nur wollte. Eine Antwort darauf bekam ich nicht.“
    Ich möchte dir eine Antwort darauf geben: Ich verstehe auch nicht, warum du nicht zurück nach Europa fährst. Du bist definitiv nicht bereit, andere Kulturen auch nur zu verstehen. In Europa – jetzt ja wohl Skandinavien – bist du besser aufgehoben. Das ist alles so wie du magst. Sogar Duschabtrennungen und Dauerstrom gibt es da.
    Wer Leichenverbrennungen ins Netz stellt und sich mit Mundschutz fotografiert, tut mir nur leid!

    Antworten

    • Wer anonym ein Kommentar hinterlässt, mit einer gefakten Emailadresse, ist bestimmt ein offener und ehrlicher Mensch der hinter seinem handeln steht.

      Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommt man umsonst!
      Danke dafür das Sie mir zeigen das ich alles richtig mache 😉

      Antworten

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